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Legal9. August 20267 Min Lesezeit

DSA für Influencer: Der ultimative Compliance-Guide für Creator und Marken 2026

Der neue DSA für Influencer verändert alles. Seit Februar 2024 gelten in der EU schärfere Regeln für Werbekennzeichnung, die weit über ein einfaches #ad hinausgehen. So bleibst du rechtssicher.

Ein Smartphone-Display zeigt eine Social-Media-App, überlagert von einem stilisierten Paragrafen-Symbol, das die neuen rechtlichen Anforderungen des Digital Services Act symbolisiert.
Phase 01

Das neue digitale Grundgesetz: Was der DSA für die Creator Economy bedeutet: DSA für Influencer

Seit dem 17. Februar 2024 ist der Digital Services Act (DSA) in der gesamten Europäischen Union in Kraft. Das erklärte Ziel: ein transparenteres und sichereres Online-Umfeld. Für Creator und Marken im DACH-Raum bedeutet das vor allem eines: Die Spielregeln für kommerzielle Inhalte haben sich fundamental geändert und bisherige Kennzeichnungspraktiken sind über Nacht veraltet.

Der Digital Services Act, oder das Gesetz über digitale Dienste, schafft einen einheitlichen Rechtsrahmen für Online-Vermittlungsdienste in der EU. Während sich viele der Pflichten direkt an die großen Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube richten, haben die neuen Vorschriften weitreichende Konsequenzen für jeden, der online kommerzielle Inhalte veröffentlicht. Die Ära der Grauzonen und uneinheitlichen nationalen Regelungen bei der Werbekennzeichnung ist damit offiziell beendet. Der DSA will Transparenz erzwingen – und das betrifft das Kerngeschäft von Influencern und den Marken, mit denen sie kooperieren.

Die bisher etablierte Praxis, einen Beitrag mit „#werbung“ oder „#anzeige“ im Beschreibungstext zu versehen, reicht unter der neuen Gesetzgebung nicht mehr aus. Der DSA fordert eine wesentlich klarere, eindeutigere und vor allem durchgängige Erkennbarkeit von Werbung. Das stellt nicht nur Creator vor neue Herausforderungen, sondern erhöht auch den Druck auf Unternehmen, sicherzustellen, dass ihre Marketingaktivitäten vollumfänglich konform sind. Die Verantwortung wird neu verteilt und die Risiken bei Nichteinhaltung sind erheblich gestiegen.

Phase 02

Die neuen Kennzeichnungspflichten: Mehr als nur ein Hashtag

Das Herzstück der neuen Regelungen für Creator ist Artikel 26 des DSA. Er definiert, wie kommerzielle Kommunikation auf Online-Plattformen zu behandeln ist. Die Anforderungen sind präzise und lassen kaum Interpretationsspielraum, was durch erste Gerichtsurteile bereits untermauert wird.

Konkrete Anforderungen des DSA für Influencer

Gemäß Artikel 26 des DSA müssen Online-Plattformen ihren Nutzern ermöglichen, kommerzielle Kommunikation klar und eindeutig zu kennzeichnen. Die entscheidenden Neuerungen stecken im Detail. Die Kennzeichnung muss nicht nur in Echtzeit erfolgen, sondern auch Informationen darüber enthalten, wer der Werbetreibende ist und wer die Werbung finanziert hat. Das bedeutet, der Name des Kooperationspartners muss direkt im Zusammenhang mit der Kennzeichnung genannt werden. Plattformen sind angehalten, entsprechende Funktionen, wie die „Bezahlte Partnerschaft“-Label, prominent anzubieten und deren Nutzung zu forcieren.

Das Bamberger Urteil: Ein Weckruf für die Praxis

Wie ernst diese neuen Pflichten zu nehmen sind, zeigt ein Urteil des Landgerichts Bamberg vom Januar 2024. Die Richter stellten klar, dass eine nur kurz eingeblendete Werbekennzeichnung in einem Video nicht ausreicht. Der werbliche Charakter muss über die gesamte Dauer des Inhalts klar erkennbar sein. Zudem wurde die Pflicht zur Nennung des Kooperationspartners bekräftigt. Dieses Urteil ist ein klares Signal, dass die deutsche Justiz die strengen Vorgaben des DSA konsequent umsetzt und die Messlatte für rechtskonforme Werbekennzeichnung deutlich höher legt.

Infografik, die den Unterschied zwischen alter und neuer Werbekennzeichnung nach DSA-Standards auf einem Smartphone-Screen visualisiert. Links ein Post mit einem versteckten #ad, rechts ein Post mit einem klaren 'Bezahlte Partnerschaft mit [Marke]'-Label.
Die neuen DSA-Regeln erfordern eine dauerhafte und eindeutige Kennzeichnung, die über bisherige Praktiken hinausgeht.
Phase 03

Wer haftet? Plattformen, Marken und die neue Aufsicht

Der DSA nimmt nicht nur die Content-Ersteller in die Pflicht. Er etabliert eine gestaffelte Verantwortlichkeit, die bei den Online-Plattformen beginnt und empfindliche Strafen für Verstöße vorsieht. Für die Durchsetzung in Deutschland wurde eine neue, schlagkräftige Behörde geschaffen.

Die Pflichten, die der DSA den Anbietern von Vermittlungsdiensten auferlegt, sind nach deren Größe und Einfluss gestaffelt. Sehr große Online-Plattformen (sogenannte VLOPs) unterliegen den strengsten Regeln. Doch auch kleinere Plattformen müssen sicherstellen, dass ihre Systeme den neuen Transparenzanforderungen genügen. Für Creator bedeutet das: Die Plattformen selbst haben ein massives Eigeninteresse daran, die Einhaltung der Regeln durchzusetzen, und werden ihre Nutzungsbedingungen und technischen Mittel entsprechend anpassen.

Die Bundesnetzagentur und drohende Sanktionen

In Deutschland ist die Bundesnetzagentur als „Koordinator für digitale Dienste“ (Digital Services Coordinator, DSC) die zentrale Aufsichts- und Beschwerdestelle. Sie ist für die Durchsetzung des DSA und des nationalen Digitale-Dienste-Gesetzes (DDG) zuständig. Bei Verstößen drohen empfindliche Strafen. Es können Geldbußen von bis zu 6 % des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens verhängt werden. Diese Summe macht deutlich, dass es sich beim DSA nicht um eine zahnlose Richtlinie, sondern um ein knallhartes Gesetz mit erheblichen finanziellen Konsequenzen handelt.

Phase 04

Jugendschutz und der Blick in die Zukunft

Neben der Werbekennzeichnung adressiert der DSA auch den Schutz vulnerabler Gruppen, und die rechtliche Landschaft entwickelt sich bereits weiter. Was heute gilt, ist nur der Anfang einer umfassenderen Regulierung, die die gesamte Wertschöpfungskette des Influencer Marketings erfassen wird.

Eine stilisierte Darstellung der Verantwortungskette in der Creator Economy, von der Marke über die Agentur bis zum Creator, verbunden durch Paragrafen-Symbole.
Der geplante Digital Fairness Act wird die rechtliche Verantwortung auf alle Akteure der Werbekette ausweiten.

Besonderer Schutz für Minderjährige

Ein weiterer zentraler Punkt des DSA ist der verstärkte Schutz von Minderjährigen. Die Verordnung verbietet gezielte Werbung, die auf dem Profiling von Daten Minderjähriger basiert. Plattformen sind nun gesetzlich verpflichtet, besondere Maßnahmen für deren Sicherheit und Privatsphäre zu ergreifen. Für Kampagnen, die sich an ein junges Publikum richten, bedeutet dies, dass Targeting-Strategien und die Art der Werbeansprache grundlegend überdacht werden müssen, um rechtssicher zu bleiben.

Ausblick: Der Digital Fairness Act weitet die Verantwortung aus

Die Entwicklung bleibt nicht stehen. Der bereits in Planung befindliche „Digital Fairness Act“ der EU zielt darauf ab, die Verantwortung noch breiter zu streuen. Künftig sollen nicht mehr nur Creator und Plattformen, sondern die gesamte Kette der wirtschaftlich Profitierenden – also auch Marken und Agenturen – direkt für die Einhaltung von Verbraucherschutz- und Transparenzregeln haften. Dieser Schritt würde die gemeinsame Verantwortung für sauberes Influencer Marketing endgültig zementieren und proaktives Compliance-Management unabdingbar machen.

FAQ

Häufige Fragen zum DSA

Was ist der DSA und für wen gilt er?
Der Digital Services Act (DSA) ist ein EU-Gesetz, das seit dem 17. Februar 2024 gilt. Es regelt die Pflichten von Online-Diensten wie Social-Media-Plattformen und hat indirekt starke Auswirkungen auf alle Nutzer, die kommerzielle Inhalte erstellen, also insbesondere Influencer und Marken.
Was ändert sich konkret bei der Werbekennzeichnung für Influencer?
Werbung muss klar, eindeutig und dauerhaft als solche erkennbar sein. Der Werbepartner muss explizit genannt werden. Ein einfacher Hashtag am Ende der Caption oder eine kurzzeitige Einblendung reichen nicht mehr aus.
Wer kontrolliert die Einhaltung des DSA in Deutschland?
Die zentrale Aufsichts- und Beschwerdestelle in Deutschland ist die Bundesnetzagentur in ihrer Funktion als Koordinator für digitale Dienste (DSC). Sie arbeitet auf Basis des deutschen Digitale-Dienste-Gesetzes (DDG).
Welche Strafen drohen bei Verstößen gegen den DSA?
Bei Verstößen können Bußgelder von bis zu 6 % des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens verhängt werden. Dies betrifft in erster Linie die Plattformen, kann aber über Vertragsstrafen auch an andere Akteure weitergegeben werden.
Sind auch Marken und Agenturen vom DSA betroffen?
Indirekt ja, da sie sicherstellen müssen, dass ihre Kampagnen rechtskonform umgesetzt werden. Der geplante Digital Fairness Act zielt darauf ab, die Haftung zukünftig explizit auf die gesamte Werbekette, einschließlich Marken und Agenturen, auszuweiten.
Was bedeutet der DSA für Werbung, die sich an Kinder und Jugendliche richtet?
Der DSA verbietet gezielte Werbung, die auf dem Profiling von Daten Minderjähriger basiert. Plattformen müssen zudem besondere Schutzmaßnahmen für deren Sicherheit und Privatsphäre ergreifen.
Nächste Schritte

So handelst du jetzt richtig

  1. Überprüfe alle deine bestehenden Werbekooperationen auf DSA-Konformität.
  2. Nutze konsequent die von den Plattformen bereitgestellten Tools zur Kennzeichnung bezahlter Partnerschaften.
  3. Benenne den Werbepartner in jeder kommerziellen Kommunikation klar und dauerhaft.
  4. Passe deine Verträge mit Partnern an, um die neuen Compliance-Anforderungen festzuschreiben.
  5. Informiere dich über die spezifischen Anforderungen des Digitale-Dienste-Gesetzes (DDG) in Deutschland.
  6. Konsultiere bei Unsicherheiten einen spezialisierten Rechtsanwalt oder eine versierte Agentur.
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